Impuls für den Alltag

17. Juni 2018 - Pater Tomy zu Mk.4, 26 - 34

Die Diskussion war heftig. Und es ging wieder einmal um die Altersversorgung. Wie teuer ist der Aufenthalt im Seniorenheim? Wer kann das denn wohl bezahlen? Da sagte jemand: in Holland zahlt das Reich alles, was mehr kostet als die Rente.

Das Reich? Hat Holland denn ein Reich? Na klar, denn Holland hat einen König, also ist es ein Königreich. Genauso ist auch Großbritannien ein Königreich, sie haben ja eine Königin.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, wir beten im Vater unser fast täglich: dein Reich komme. Ist das denn auch so ein Reich, um das wir bitten? Wir sind doch eine Demokratie. Wollen wir denn wieder einen König haben? Was ist damit gemeint, wenn wir beten: dein Reich komme. Jeder wird sagen, wir bitten um das Reich Gottes. Was meinen wir damit? Wie soll es aussehen?

Liebe Schwestern und Brüder, so direkt können wir das nicht beantworten. Wir wollen etwas ausholen: Auch Jesus hat seine Schwierigkeiten damit und versucht, uns das Reich Gottes durch ein Beispiel zu erklären. Im Evangelium heute bringt er das Beispiel vom kleinen Senfkorn. Das Senfkorn ist so ungefähr eines der kleinsten Körner. Es kommt in die Erde und beginnt zu wachsen. Es treibt einen Spross, der durchbricht die Ackerkrume, und langsam aber beständig wird die Pflanze größer. Sie wächst zum Baum heran.

Für Jesus ist dieses kleine Senfkorn vergleichbar mit dem Glauben, der in unsere Herzen gesenkt wird, wenn die Bedingungen gut sind. Lässt man dieses Senfkorn wachsen, lässt man diesen Glauben wachsen, dann wird er größer und stärker. In unserem Inneren wächst der Glaube heran, wird immer größer, ist zu vergleichen mit einem Baum.

Kann es sein, dass dieser starke Glaube in uns, der Glaube in unserem Herzen, dass er in uns das Reich Gottes ist? Kann es sein, dass Jesus uns auffordert, in uns selbst das Reich Gottes wachsen zu lassen? Kann es sein, dass es dieses innere Reich Gottes ist, um das wir im Vater unser bitten? Dann bitten wir, mit anderen Worten gesagt, darum, dass Gott in uns den Glauben wachsen lässt.

Dieser Glaube in uns, dieses Reich Gottes in uns, wird nicht nur allein in uns bleiben es wird nach außen wirken. Im Baum des Glaubens können Vögel leben, so heißt es im Evangelium, das bedeutet, dieser Baum des Glaubens wird auch anderen Schatten und Hoffnung spenden. Auch andere werden sich unter dem Baum des Glaubens wohl fühlen.

Wir sollten nicht mutlos werden, wenn der Glaube in uns kaum zu spüren ist, wenn er klein ist wie ein Senfkorn. Wir sollten die Hoffnung haben, dass er wachsen kann, ja wir sollten uns bemühen, dass unser Glaube wächst. Wie das Senfkorn in der Erde, so wird auch der Glaube in uns Zeit brauchen, Zeit zum Wachsen, Zeit bis zur Reife. Dieses innere Reich Gottes wird also zunächst nicht  groß sein, aber wenn wir daran arbeiten, wenn wir darum bitten, dann wird es größer werden so, dass auch andere daran teilhaben können.

Wir wissen, dass wir allein nicht das Reich Gottes in uns zum Blühen und zur Wirksamkeit bringen können. Wir wissen es. Und deshalb bitten wir immer wieder im Vater unser: dein Reich komme.

Und zum Abschluss dieser Worte möchte ich noch etwas zu dem Begriff Reich Gottes sagen. Als die Evangelien geschrieben wurden, da gab es noch keine Demokratie. Jedes Land hatte eine königliche Herrschaft, in Judäa gab es zum Beispiel den König Herodes, und deshalb gibt es diesen Begriff ReichGottes. Aber wir brauchen uns nicht daran zu stören. Ich denke, dieser Begriff passt auch heute noch, wenn ich mir sage: Gott soll in mir das Sagen haben, Gott soll mich regieren. Gott soll mein König sein. Und wenn ich für mein Inneres Gott zum König erwähle dann habe ich das Königreich Gottes in mir.