Impuls für den Alltag

Impuls zum 8. Sonntag der Osterzeit, 09.06.2019 - Pfingsten
 

Bilder können oft mehr erzählen von unseren Hoffnungen und Sorgen als Worte. Die Tür ist so ein sprechendes Bild.

Manchmal tut es gut, die Tür hinter sich zumachen zu können, um seine Ruhe zu haben. Viel öfter aber macht die Vorstellung von verschlossenen Türen Angst. Es ist ein Alptraum, irgendwo eingeschlossen zu sein und nicht ins Freie zu kommen. Dann bin ich hilflos gefangen. Gefängnistüren können nur von außen geöffnet werden. Es reicht schon die Erfahrung, sich selbst irgendwo eingeschlossen oder von der eigenen Wohnung ausgeschlossen zu haben, um uns den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Schlimmer noch, von Menschen ausgeschlossen zu sein. Und manchmal verschließt sich jemand auch selbst in Trauer, Depression oder Angst und kommt da nicht mehr raus!

Das Neue Testament berichtet, dass die Jünger nach der Auferstehung Jesu aus Angst sich selbst eingeschlossen haben. Zwei Mal ist da ausdrücklich von „verschlossenen Türen“ die Rede (vgl. Joh 20,19 und 26)! Da ist nichts von Osterfreude zu spüren. Die verschreckten Männer verkriechen sich, trauen sich selbst nichts zu, sehen für sich keine Zukunft. Es wird erst Ostern, als Jesus durch diese verschlossenen Türen auf sie zugeht. Sie kamen selbst nicht aus ihrer Trauer heraus. Aber er kommt in ihre Not hinein und schenkt ihnen Frieden. Die Pfingstgeschichte greift das Bild indirekt wieder auf und führt es weiter: Wieder sind die Jünger drinnen, „im Haus“ (vgl. Apg 2,2). Und nun ist es der Geist Gottes, der sie befähigt, selbst die Türen zu öffnen, nach draußen zu gehen und dort couragiert aufzutreten.

Wir Christen dürfen als österliche Menschen immer wieder erfahren, wie der Geist Gottes unsere Verschlossenheit aufbricht. Zugleich lädt er uns ein, mitzuhelfen, dass sich auch für andere Menschen Türen in die Zukunft öffnen.

Ich wünsche Ihnen gesegnete Pfingsttage, die erfahren lassen, wie der Geist Gottes Türen öffnet, wo wir uns selbst aus Kleinmut oder Angst verschlossen haben oder von anderen ausgeschlossen fühlen. Wir können das Ganze auch umdrehen: Wo immer sich Menschen füreinander öffnen und wo immer für uns oder andere Menschen Türen aufgehen, da ist der Geist Gottes am Werk. Da ereignet sich Pfingsten. Und dieser Geist tut nicht nur etwas an uns. Er wirkt auch durch uns für andere. - Impuls von Provinzialminister Cornelius Bohl


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Was wird an Pfingsten gefeiert?

Das Pfingstfest zählt zu den höchsten Feiertagen im Kirchenjahr. 50 Tage nach Ostern ist es der feierliche Abschluss der Osterfestzeit. Der Name leitet sich her vom griechischen „Pentekoste“, was 50. Tag bedeutet. In Deutschland erhielt das Fest wie auch Ostern und Weihnachten einen zweiten Feiertag hinzu.

Die Kirche erinnert sich an diesem Fest an die Ausgießung des Heiligen Geistes, wie er in der biblischen Apostelgeschichte (Apg 2) beschrieben wird. Der Heilige Geist ist nach kirchlicher Lehre dazu in die Welt gesandt, um Person, Leben und Werk Christi in der Geschichte lebendig zu halten.

 

Das Pfingstereignis nach der Apostelgeschichte, Kapitel 2:
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.
Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten? Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.

Norbert Göckener – aus Kirche-und-Leben