Impuls für den Alltag

Impuls für den 21.10.2018

Mk. 10, 44 „Wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“

Manager, so sagt man, erledigen die Dinge richtig, ein Leiter tut die richtigen Dinge. Das macht den entscheidenden Unterschied! Ein Leiter ist auch zu jeder Zeit zuständig für alle und alles. Wenn dem so ist, und dem ist so, dann muss er auch etwas zu sagen haben denn andernfalls funktioniert das nicht, kann man keine Leitungsposition ausfüllen. Schließlich gilt es ein Ziel zu erreichen und das wird nicht möglich sein wenn nicht einer, aktiv und engagiert, sagt wo es lang geht. So funktioniert Leitung!

Da klingt die Aufforderung der Sklave aller zu sein um der Erste zu sein nicht nur ein wenig seltsam sondern einfach unsinnig. Und das ist es auch solange man nur in den Kategorien von Aufgabenbewältigung und Zuständigkeiten, also organisationsorientiert an die Erledigung von Arbeitsaufträgen denkt. Mit diesem Denken stoßen wir also offensichtlich recht bald an Grenzen was das Verständnis der Mahnung Jesu angeht, dass wer bei uns der Erste sein will, der Sklave aller sein soll.  

Also versuchen wir es nochmals und diesmal anders. Denken wir einmal nicht an Engagement und Aufgabe, an Wettbewerb und Ziel sondern an uns, an dich und mich. Wenn es nicht darum geht etwas zu erreichen oder zu erwerben sondern darum jemanden zu gewinnen sieht es nämlich plötzlich ganz anders aus. Ich erteile jetzt keine Aufträge, erwarte nicht die Erledigung von Arbeiten sondern versuche zu verstehen, was dem anderen gut tut. Ich will ihm seine Wünsche von den Augen ablesen, möchte der Erste sein, der ihn versteht, tun, was ihm dienlich ist, ihn glücklich macht. Ich kreise nicht um mich und mein Glücklich-Sein, nein, ich stelle mich hintan mache den Anderen, die Anderen, zum Zentrum meines Bemühens. Ihr Glück steht im Vordergrund. Ich verlasse mich im Wortsinn und lasse mich, wieder im Wortsinn, ein auf  das Du, das Ihr. Anders gesagt, ich strebe danach zu lieben und die Freude des Liebenden ist es zu dienen, da zu sein für Dich, für Euch. Ein Risiko? Ja, Sklave aller sein ist ein Risiko! Aber es ist eins, das sich lohnt denn auf diesem Weg, dem Weg der Liebe, werde ich mich nicht verlieren sondern beglückt im Anderen wieder finden.

Eine solche Liebe verlangt lebenslanges Sich-Mühen, Opfer und Kompromiss, gegenseitige Hilfe und Unterstützung um der Anderen willen. So soll es bei uns Christen sein denn die Kirche ist kein Unternehmen, das es nur zu leiten gilt sondern sie ist die Gemeinschaft derer, die, um Jesu Namen willen und wie er, füreinander da sein wollen nicht „um sich dienen zu lassen, sondern um anderen zu dienen“. (Mk. 10,45)

Pater Happel