Impuls für den Alltag

Impuls für den Alltag - 13.10.2019

28. Sonntag im Jahreskreis

„Jesus zog durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa“

Ein ganz unscheinbarer Satz am Beginn des Evangeliums, das wir diesen Sonntag hören.

Auf den ersten Blick eine Ortsangabe für den Leser, was vielleicht gerade für den Ortskundigen spannend sein kann, damit er/sie weiß, wo Jesus sich gerade auf seinem Weg nach Jerusalem befindet.

Aber, wie so häufig, hat auch dieser Satz, der unwichtig scheint, eine Bedeutung.

Samarien und Galiläa. Zwei Regionen im damaligen Israel, die nicht unbedingt einladend sind für den gläubigen Juden. Abgehängte und abgeschriebene Gebiete, vor allem und gerade religiös.

Da geht Jesus hin, da geht Jesus durch.

Zum einen, weil es einfach der schnellste Weg nach Jerusalem ist, wo er hin will.

Und, das glaube ich auch, weil Jesus an die Grenzen will. Da gehört er hin, dahin zieht es ihn. Und dass dann, genau in dem Gebiet, zehn Aussätzige auf ihn zukommen, macht das noch mal deutlich.

Grenzgebiete, oder, wie einige Politiker/innen es heute bezeichnen würden, „No-Go-Areas“, das sind keine schönen Orte. Da geht man einfach nicht gerne hin.

Jesus schon.

Und: Jesus geht auch mit in unsere ganz persönlichen Grenzgebiete.
Da, wo es für uns kritisch wird, wo wir nicht mehr weiterwissen, da ist er.

Zum Beispiel, wenn wir eine schlimme Diagnose erfahren. Wenn wir merken und mit ansehen müssen, wie ein geliebter Mensch immer mehr abbaut und wir nichts tun können.

Wenn wir am Sterbebett sitzen.

Wenn wir uns allein fühlen.

Da, wo wir an unsere Grenzen kommen, da ist er.

Ich wünsche Ihnen und euch, dass Sie das an diesem Sonntag und in der kommenden Woche spüren dürfen: Jesus ist da, in guten und in schlechten Tagen. Er geht nicht vorbei, er bleibt bei uns in unseren Grenzgebieten.

Er ist und bleibt der „Gott mit uns“.

In diesem Sinn: Einen schönen Sonntag und eine gute Woche!

Ihr Kaplan Niklas Belting